„Ensemble“ – Preis für mutige Recherche und unvoreingenommenen Blick

Im „Forum“ der Saarbrücker Zeitung wurde heute zum zweiten Mal der Journalisten-Nachwuchspreis „ENSEMBLE“ für herausragende Beiträge zum Thema Migration und Integration verliehen.

In der Kategorie Text ging der ENSEMBLE-Preis an den Journalisten Takis Würger für seine Reportage „Rückflug“. Den ENSEMBLE-Audio-Preis bekam der Hörfunk-Journalist Johannes Nichelmann für sein Feature „Zweimal Vietnam“. Der Video-Preis ging an Frauke Vogel für ihre Webvideo-Serie „roleUP!“ und in der Kategorie Multimedia wurden Volontäre der Mittelbayerischen Zeitung für ihr Projekt „Syrien, Wegscheid, Passau – Regensburg“ ausgezeichnet.

Ikbal Berber, die Vorsitzende der Jury, sagte zur Begründung: „In Zeiten von Fake News, von Facebook, WhatsApp und Twitter braucht die Demokratie die seriöse, ernste, recherchierende journalistische Arbeit dringender denn je! Die Jury hat sich für diese Beiträge entschieden, weil sie differenziert, sachlich, informativ sind und dennoch unsere Emotionen ansprechen. Viele Ebenen und Themen der Migration und des Zusammenlebens werden von hier behandelt: Die neuen Geflüchteten, die Bootsflüchtlinge, die Rückkehrer, die zweite Generation, die hier geboren und aufgewachsen ist. Die Arbeiten dieser jungen Menschen sind ausgezeichnet. Deshalb werden sie jetzt ausgezeichnet!“

Die Laudatio hielt die Journalistin und Vorsitzende der Neuen deutschen Medienmacher, Sheila Mysorekar. Sie lobte den zukunftsweisenden Aspekt des Projekts und betonte: „Es braucht Mut, Position zu beziehen. Rassistische und islamfeindliche Ansichten sind Längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir brauchen Leute, vor allem in den Medien, die sich dem entgegensetzen. Und zwar indem sie ihren Job machen, und ihn richtig gut machen: Recherchieren, berichten, informieren. Bei den Fakten bleiben, auch wenn die gängige Ansicht eine andere ist. Meinungsstark sein, auch wenn der Maileingang mit Hasskommentaren überquillt. Die Tatsachen benennen, auch wenn der Redaktionsleiter etwas anderes möchte. Sich mit den eigenen Vorurteilen konfrontieren, auch wenn es weh tut.“

Der Journalisten-Nachwuchs-Preis ENSEMBLE geht auf den verstorbenen saarländischen Journalisten Bernhard Weiland zurück. Er wurde 2012 vom Saarländischen Journalistenverband, SJV, im Auftrag der Bernhard-Weiland-Stiftung und der Partner Saarländischer Rundfunk und Saarbrücker Zeitung zum ersten Mal ausgelobt. Der Preis ist in vier Kategorien aufgeteilt, insgesamt mit 8.000 Euro dotiert und hat das Ziel, zu einem besseren und differenzierteren Verständnis beizutragen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken.

Der Gastgeber der Preisverleihung, der Vorsitzende der Geschäftsführung Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH, Dr. Joachim Meinhold, erklärte: „Mit ihren kritischen und informativen Beiträgen haben unsere Preisträger aktuelle Auswirkungen politischer, gesellschaftlicher und sozialer Integration im lokalen Umfeld und bestehende Mängel am konkreten Beispiel aufgezeigt und privates Engagement zum Zwecke der Förderung der Integration in die mediale Öffentlichkeit gerückt. Das ist die zentrale Aufgabe von Journalismus.“

Die nächste Verleihung dieses Journalisten-Nachwuchspreises, 2019, wird wieder vom Saarländischen Rundfunk ausgerichtet. Dessen Intendant, Prof. Thomas Kleist, betonte: „Nie war er so wertvoll wie heute, der Qualitätsjournalismus in Rundfunk und Presse. Dem Saarländischen Rundfunk ist es daher sehr wichtig, diesen Nachwuchspreis zu unterstützen. In Zeiten von Fake News und den neuen Möglichkeiten auf Social Media Kanälen sind die Ausbildung und die Arbeit unserer Journalistinnen und Journalisten mehr denn je in den Fokus gerückt. Auch beim Thema Integration, der großen Herausforderung unserer Gesellschaft, brauchen wir Kolleginnen und Kollegen, die mit Mut, Ausdauer, guter Recherche und vor allem mit Glaubwürdigkeit überzeugen, ganz im Sinne der ‚Ensemble‘-Preis Auszeichnung.“

Der Saarländische Journalistenverband und die Bernhard-Weiland-Stiftung wollen bereits im September die nächste Ausschreibung starten. „Dieser Preis ist heute wichtiger denn je. Dass es so hochkarätige Preisträgerinnen und Preisträger gibt, macht Mut“, erklärte die SJV-Vorsitzende Ulli Wagner, die auch eine Kollegin von Bernd Weiland war.

 


 

Der Preis

„Ensemble“ ist ein Nachwuchs-Preis für junge Journalistinnen und Journalisten und wird für herausragende Beiträge zum Thema Migration und Integration verliehen. Der Preis ist insgesamt mit 8.000 Euro dotiert und hat das Ziel, zu einem besseren und differenzierteren Verständnis beizutragen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken.
Der Ensemble-Preis wurde erstmals 2012 vom Saarländischen Journalistenverband im Auftrag der Bernhard-Weiland-Stiftung und in Kooperation mit dem Saarländischen Rundfunk und der Saarbrücker Zeitung ausgelobt und sollte vorerst im Dreijahres-Rhythmus in den Kategorien Video, Audio, Textbeitrag und Multimedia vergeben. Nach Problemen wegen der Niedrigzinsen gab es 2015 bei der Bernhard-Weiland-Stiftung eine Satzungsänderung, sodass dieser Nachwuchspreis künftig alle zwei Jahre ausgelobt und verliehen werden kann.

Der Stifter

Der Journalisten-Nachwuchspreis ENSEMBLE geht auf den saarländischen Journalisten Bernhard, genannt Bernd, Weiland zurück, der über Jahrzehnte als Journalist für saarländische Medien tätig war. Bernd Weiland wurde 1946 in Bous/Saar geboren und verstarb am 05.03.2004 an seinem letzten Wohnsitz, in Saarbrücken, im Alter von nur 57 Jahren.
Bernd Weiland war der klassische Reporter, einer der immer „an der Front“ war, oft genug auch im doppelten Wortsinne. Sein Handwerk lernte er bei der Saarbrücker Zeitung, aber das Radio war sein Medium. Als Zeitfunk-Reporter beim Saarländischen Rundfunk war er in vielen Bereichen tätig, angefangen von der Berichterstattung aus dem Saarländischen Landtag, über den Einsatz beim so genannten Jahrhunderthochwasser bis hin zur ersten Integrationsgruppe in einem saarländischen Kindergarten. Bernd Weiland lieferte Nachrichtenmeldungen, Live-Reportagen, Kommentare oder Feature und aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka auch beeindruckende Telefonberichte.

Bernd Weiland hatte einen Traum: mit dem, was er hier in Deutschland verdiente, einen Grundstock zu schaffen für ein Selbsthilfeprojekt in Sri Lanka und für einen besonderen Preis für junge Journalistinnen und Journalisten, einen Nachwuchspreis, der die Beschäftigung mit dem Thema Integration und Ausländer fordern und fördern könnte. Nach seinem plötzlichen Tod dachten die Kolleginnen und Kollegen, es würde nichts mehr aus den Träumen von Bernd Weiland. Aber er hatte ein Testament hinterlassen, wonach sein Nachlassvermögen in eine Stiftung eingebracht werden sollte. Und die Erträge dieser Stiftung sollten die beiden Herzensangelegenheiten des Verstorbenen unterstützen:
Zum einen das Projekt „Rankema“ – Wohnraumerwerb und Arbeit für arme Familien in Sri Lanka. Zum anderen ein Geldpreis für die beste journalistische Bearbeitung des Themas „Integration von Ausländern in Deutschland“. Hierbei soll – so Bernd in seinem Testament – „die Ausländerfreundlichkeit gefördert und die Ausländerfeindlichkeit kritisch betrachtet werden“.

Die Veranstalter

Als Partner für dieses Projekt konnten mit dem Saarländischen Rundfunk und der Saarbrücker Zeitung die beiden Medien gewonnen werden, für die Bernd Weiland als Journalist tätig war. Der Saarländische Journalistenverband, SJV, dessen Mitglied Bernd Weiland über viele Jahrzehnte war, ist neben der Bernhard-Weiland-Stiftung der Vierte im Bunde. Der SJV führt im Auftrag der Stiftung die Ausschreibung und das Auswahlverfahren durch, die Saarbrücker Zeitung und der Saarländische Rundfunk übernehmen abwechselnd die Preisverleihung.

Die Jury

In diesem Gremium ergänzen sich Journalistinnen und Journalisten mit Expertinnen und Experten aus dem Bereich Migration und Integration, und sie werden in ihrer Arbeit von einer Juristin fachlich unterstützt. Namentlich sind das: Ikbal Berber (Jury-Vorsitzende), Sadija Kavgic, Asgar Abbaszadeh, Dörte Grabbert, Anja Geis, Gabor Filipp und Sonnia Wüst.

 


 

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2017

Kategorie Video: Webvideo Serie „roleUp!“ von Frauke Vogel
(https://www.youtube.com/watch?v=DQE2OM980S8)

Der ENSEMBLE-Preis in der Kategorie Video geht an Frauke Vogel für ihre Webvideo Serie „RoleUp!“.

Zur Begründung der Jury:
Frauke Vogel hat ihre Protagonistin nicht auf ihren Migrationshintergrund reduziert. Sie hat auch keine extra Seite für Migrantinnen gemacht. Jede der Frauen in ihrer WebSerie ist besonders. Auch Tansim ist eine von ihnen, mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, die auch durch die Migrationsgeschichte der Eltern geprägt ist. Sie ist in diesem Beitrag selbstverständlich ein Teil dieser Gesellschaft.
Die Autorin hat die „Normalität“ in ihrer „Besonderheit“ differenziert, einfühlsam- aber nicht mitleidig, interessant und spannend mit neuen Mitteln beschrieben.

Zur Person:
Frauke Vogel hat ihren Bachelor in Musik- und Medienwissenschaften (Kernfach) und Geschichtswissenschaften (Zweitfach) an der Humboldt-Universität zu Berlin im Herbst 2011 abgeschlossen und parallel an der selbstorganisierten Filmschule filmArche e.V. in Berlin erste Erfahrungen im Bereich Kameraführung und Produktion gesammelt. Im Masterstudium hatte Stationen beim rbb Inforadio, dem Berlinteil der taz und bei NDR Kultur. Ihre Masterarbeit hat sie bei Wolfgang Bauernfeind, dem ehemaligen Leiter der Featureabteilung des rbbs geschrieben und sich inhaltlich mit Bertolt Brechts „Radiotheorie“ im Zeitalter digitaler Medien beschäftigt.
Vpn 2013 bis 2017 hat sie in Hamburg als freie Videojournalistin und Autorin für u.a. Spiegel Online und dem NDR Gesundheitsformat „Dr. Wimmer – Wissen ist die beste Medizin“ gearbeitet und als geschäftsführende Inhaberin der Produktionsfirma pikofilm Webvideoproduktionen im Bereich Redaktion und Videoschnitt verantwortet. In diesem Rahmen ist auch die Webvideoserie „roleUP! – Level up your role model“ in Eigenproduktion entstanden, in der engagierte Frauen aus dem Kulturbereich porträtiert wurden, die mutig mit stereotypen Vorstellungen brechen.
Inzwischen lebt Frauke Vogel wieder in Berlin und arbeitet als Videoredakteurin für ze.tt vom Zeit Verlag. Dort erzähle ich Geschichten in einzelnen Videos oder mehrteiligen Serien fürs Netz und begeistere mich besonders für interdisziplinäre Erzählweisen und neue Formatideen.

Kategorie Audio: „Zweimal Vietnam“ von Johannes Nichelman
(http://www.deutschlandfunk.de/zweimal-vietnam-eine-geteilte-community-in-deutschland.1247.de.html?dram:article_id=328302)

Der ENSEMBLE-Preis in der Kategorie Audio geht an Johannes Nichelmann für sein Feature „Zweimal Vietnam“ – gesendet am 02.10.2015 im Deutschlandfunk.

Zur Begründung der Jury:
Diesen Preis gibt es insbesondere für die Nachhaltigkeit. Johannes Nichelmann erinnert an die Bootsflüchtlinge, die vor 30 Jahren nach Deutschland kamen und berichtet darüber, was sie jetzt machen. Das tut er in der Zeit, in der das Thema „Geflüchtete aus Syrien“ fast alle Mediensparten besetzt.
Nichelmann berichtet auch sachlich über eine geteilte vietnamesische Community. Dieser Beitrag sensibilisiert die Hörerinnen und Hörer in ihrer Wahrnehmung der Migrantengruppen: sie sind aus demselben Herkunftsland und dennoch sind sie so unterschiedlich, wie die Einheimischen in Deutschland auch.

Zur Person:
Johannes Nichelmann, geboren 1989 in Berlin, Studium der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 2008 Autor, Reporter, Moderator und Redakteur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bis 2012 bei Fritz, dem jungen Angebot des RBB. Seit 2011 Feature-Autor für die ARD Kulturwellen, sowie Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. Außerdem Autor u.a. für arte RE:, ZDF 37 Grad und ZDF Aspekte. Seit 2014 Moderator und Redakteur der Sendung „Zeitfragen-Magazin“ im Deutschlandfunk Kultur. Ausgezeichnet u.a. mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD 2013 und dem Robert-Geisendörfer-Preis 2014.

Kategorie Text: „Rückflug“ von Takis Würger
(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-143351323.html)

Der ENSEMBLE-Preis in der Kategorie Text geht an Takis Würger für seine Reportage „Rückflug“ – erschienen am 27.02.2016 im „Der Spiegel“.

Zur Begründung der Jury:
Takis Würger erzählt die Geschichte vom Kommen, Nicht-Bleibenkönnen, Zurückgehen! Das ist die Geschichte der Hoffnung, Enttäuschung und Entscheidung.
Der Beitrag spricht unsere Emotionen, unseren Gerechtigkeitssinn an. Er bringt uns dazu, ja gar zwingt er uns dazu, für die „Menschlichkeit“ Partei zu ergreifen.
Mit witzigen Zitaten, mit Anspielungen an manche Politiker, mit direkter Rede und mit scheinbaren Banalitäten wird die Schwere der Geschichte eines im Krieg verwundeten Mannes geschildert, ohne an Ernsthaftigkeit oder Seriosität etwas zu verlieren. Mit nicht obligatorischen, beiläufig erwähnten Informationen lockert er den Text auf, um gleich danach den Leser zu zwingen, sich mit der Situation der „Zurückgeschickten“ oder „Zurückgehenden“ konkret auseinanderzusetzen – ohne die belehrende Keule zu verwenden.

Zur Person:
Takis Würger, geboren 1985, ist Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel. An der Universität von Cambridge studierte er Ideengeschichte. An der Henri-Nannen-Schule lernte er das Handwerk des Reporters. In seiner Freizeit schreibt Würger Romane und isst.

Kategorie Multimedia: „Syrien, Wegscheid, Passau – Regensburg“ von den VolontärInnen der Mittelbayerischen Zeitung
(http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/syrien-wegscheid-passau-regensburg-21705-art1306354.html)

Philipp Froschhammer, Philipp Froschhammer, Mario Geisenhanslüke,
Bettina Griesbeck, Johannes Heil, Claudia Pollok, Andrea Rieder, Philipp Seitz und Jana Wolf haben gemeinsam bei der Mittelbayerischen Zeitung volontiert und in einem Multimedia-Projekt gezeigt, was sie in ihrer Ausbildung gelernt haben.
An sie geht der ENSEMBLE-Preis in der Kategorie Multimedia für ihr Projekt Syrien, Wegscheid, Passau – Regensburg

Zur Begründung der Jury:
Mit ausdrucksvollen Fotostrecken und Videos, interaktiven Grafiken, Diagrammen und Texten werden die gesammelten Daten und Fakten anschaulich dargestellt. Dem Thema „Geflüchtete“ wird mit Geschichten von Flüchtlingen über ihren zurückgelegten Weg, über ihre Ziele und Empfindungen ein Gesicht verliehen. Mit Aussagen der Anwohner, der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker und der Ehrenamtlichen wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven bearbeitet und abgerundet. Spannend, informativ, sachlich und emotional zu gleich.

Zu den Personen:
Philipp Froschhammer, 24 Jahre, arbeitet seit September 2013 beim Mittelbayerischen Verlag. In diesem Jahr schließt der duale Student seine Ausbildung ab. In seiner Zeit bei der MZ wurde er in allen Redaktionen – vom Mantel über die Video-Einheit bis hin zu den fünf Lokalredaktionen – eingesetzt. Nach vier Jahren Ausbildung kann Philipp Froschhammer im Herbst einen Medienmarketingfachwirt, einen Bachelor im Bereich „Medien und Management“ und ein abgeschlossenes Volontariat vorweisen.
Mario Geisenhanslüke, 26 Jahre, hat nach seinem Abitur in Warendorf an der Universität Hohenheim in Stuttgart Kommunikationswissenschaft studiert und mit einem Bachelor of Science abgeschlossen. Parallel arbeitete er mehr als zwei Jahre als freier Mitarbeiter in der Sportredaktion der Stuttgarter Zeitung. Am 1. Januar 2014 begann er sein Volontariat bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg, im Zuge dessen auch dieses Projekt entstand. Seit dem 1. Januar 2016 ist er Redakteur beim Mittelbayerischen Medienhaus, wo er unter anderem die digitale Entwicklungsredaktion mit aufgebaut hat. Aktuell arbeitet er mit Begeisterungen an und mit digitalen Plattformen, Trends und Technologien, die für die Redaktion interessant sein könnten.
Bettina Griesbeck, 35 Jahre, hat Germanistik, Geschichte und Deutsch als Fremdsprachenphilologie an der Universität Regensburg studiert. Nach Auslandsaufenthalten in Israel und Bosnien und Herzegowina, folgte 2014/15 ein zweijähriges Volontariat beim Medienhaus Mittelbayerische Zeitung in Regensburg. Hierbei lag der Ausbildungsschwerpunkt auf dem Bereich Online. Im Anschluss arbeitete Bettina Griesbeck bis Ende 2016 in der MZ-Redaktion Neumarkt in der Oberpfalz als Redakteurin und ist seitdem als Projektbetreuerin für die Rechtsabteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg tätig.
Johannes Heil, 31 Jahre studierte an der Universität Regensburg den Bachelor-Studiengang „Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft“, den er 2014 erfolgreich abschloss. Er volontierte ab Mai 2015 bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg. Nach dem Abschluss seines Volontariats im April 2017 wurde er als Redakteur übernommen und ist seither in der Lokalredaktion Neumarkt tätig.
Andrea Rieder, 31 Jahre, hat in München Deutsch als Fremdsprache, Volkskunde und Sinologie studiert. Die heute 31-Jährige hat nach ihrem Abschluss (Magister Artium) bei der Mittelbayerischen Zeitung (MZ) ein zweijähriges Volontariat absolviert. Seit Januar 2016 ist sie Redakteurin der MZ, wobei sie vor allem im Online-Bereich eingesetzt ist.
Philipp Seitz, 25 Jahre, ist Volontär bei der Mittelbayerischen Zeitung. Er ist Medienmarketing-Fachwirt (BAW) und studiert derzeit berufsbegleitend Management und Innovation an der Steinbeis School of Management and Innovation (SMI) in Berlin und München. Auf Bezirks- und Landesebene ist er ehrenamtlich in der Jugendarbeit aktiv.

Sie konnten bei der Preisverleihung am 23.08.2017 leider nicht anwesend sein:
Claudia Pollok, 30 Jahre, hat vor ihrem Volontariat bei der Mittelbayerischen Zeitung Germanistik an der Universität Regensburg studiert. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Hochschulkommunikation an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm.
Jana Wolf, 30 Jahre, hat in Bamberg Germanistik, Anglistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Ein Jahr ihres Studium verbrachte sie an der Queen Mary University in London. Nach einer Reihe von journalistischen Praktika und freier Mitarbeit begann sie im Januar 2015 mit ihrem zweijährigen Volontariat bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg, das sie Ende 2016 abschloss. Seit dem arbeitet sie als Redakteurin im Reporter-Pool der Mantel-Redaktion bei der MZ.



Die Preisverleihung

Die Rede des Gastgebers – Dr. Joachim Meinhold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH – es gilt das gesprochene Wort:

„Sehr geehrter Herr Minister Commerçon, sehr geehrte Mitglieder des Landtages, sehr geehrte Frau Pack (ehemalige MdEP), sehr geehrter Herr Pöllmann (Chefredakteur Mittelbayrische Zeitung), sehr geehrte Partner und Jurymitglieder des ENSEMBLE-Projekts, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger,
ich freue mich sehr, Sie heute Abend stellvertretend für alle Projekt-Partner als Gastgeber im Forum der Saarbrücker Zeitung zur ENSEMBLE-Preisverleihung 2017 begrüßen zu dürfen. Ganz herzlich möchte ich den jungen und engagierten Nachwuchs-Journalistinnen und -Journalisten für ihre Teilnahme an der diesjährigen Ausschreibung danken. Ich freue mich besonders, dass viele Preisträger heute bei uns sind.
Sie alle zeigen mit Ihrem Hiersein, wie wichtig und aktuell das Anliegen des Begründers des ENSEMBLE-Journalistenpreises, Bernhard Weiland, war und ist. Der Saarbrücker Zeitung ist es ein besonderes Anliegen, sein Vermächtnis zu unterstützen.
Um es gleich zu sagen: Auch 2017 haben wir großartige Preisträger, die der mutigen Recherche, der Kreativität und dem kritischen und wachen Journalismus ein Gesicht verleihen. Das gilt für alle Kategorien. Ein engagierter, kritischer und kreativer Nachwuchs ist die Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft in Printmedien, Hörfunk, Fernsehen und Online unsere Aufgaben im Interesse der Nutzer erfüllen und unsere Geschäftsmodelle erfolgreich bleiben.
Systematische und aktive Integration auf vielen Ebenen – das aktuelle Thema – fördert und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und reduziert bestehende Vorbehalte. Dies gilt nicht nur auf der ‚nationalen Bühne’, sondern in erster Linie relevant sind Initiativen auf nachbarschaftlicher, regionaler und lokaler Ebene, wo Menschen sich real begegnen. Das sind Themen, die besonders im Fokus der Berichterstattung regionaler Medien stehen.
Mit ihren kritischen und informativen Beiträgen haben unsere Preisträger und die Teilnehmer am Wettbewerb aktuelle Auswirkungen politischer, gesellschaftlicher und sozialer Integration im lokalen Umfeld und bestehende Mängel am konkreten Beispiel in unterschiedlichen Formaten, seien es Reportagen, Berichte, Features, Magazinsendungen, Kommentare oder Blogs aufgezeigt und privates Engagement zum Zwecke der Förderung der Integration in die mediale Öffentlichkeit gerückt. Dazu ist Journalismus da.
Wir werden uns, gerade im Hinblick auf die seit vielen Jahren teilweise zu recht formulierte Kritik an den Medien und ihren Journalisten, selbstkritisch fragen müssen, ob wir die bei uns bestehenden Stärken immer genügend ausspielen oder ob wir nicht allzu oft dem Hang zum mainstreamigen Infotainment, zur vordergründigen Personalisierung oder auch Vereinfachung anhängen. Wir sind auch keine Plattform für die interne Selbstverständigung ‚der’ Politik. Unsere Leser, Hörer, Zuschauer und Nutzer haben Recht, wenn sie von uns Qualität, Analyse, Kreativität, Verlässlichkeit und Seriosität erwarten, damit auch in Zukunft das möglich bleibt, wie es Marcel Proust einmal in ‚Vermischtes und Verschiedenes’ für die Zeitung formulierte:
‚Vorher aber wollte ich einen Blick in den Figaro werfen, jene scheußliche und wol- lüstige Tat vollbringen, die sich Zeitunglesen nennt und dank derer sich die Unglücke und Katastrophen der Welt in den letzten 24 Stunden, die Schlachten, ( …,), die Verbrechen, die Streiks, die Bankrotte, die Brände, die Vergiftungen, die Selbstmorde, die Scheidungen, die grausamen Gefühle von Staatsmännern und Schauspielern, für unseren persönlichen Gebrauch zum Morgenmahl verwandelt, für uns, die wir nicht betroffen sind, vorzüglich und auf besonders erregende und stärkende Weise mit dem empfohlenen Einnehmen einiger Schlucke Milchkaffee verbinden’.
Eine so gelungene ‚Verbindung’ werden wir in allen Medien auch in Zukunft nur erreichen können, wenn der Journalismus sich den Herausforderungen crossmedialer Produktion stellt, kritische Recherche und Analyse in bester aufklärerischer Tradition realisiert und Kreativität, Seriosität, Verlässlichkeit und Innovation in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktualisiert und so zu einem Kristallisationspunkt von Öffentlichkeit wird.
In diesem Sinne haben sich unsere Preisträger in allen Kategorien sehr verdient gemacht. Ich wünsche Ihnen allen weiterhin viel Mut, behalten Sie Ihren unvoreingenommenen Blick und begeistern und fesseln Sie auch in Zukunft Ihre Leser, Hörer und Nutzer mit Ihren Beiträgen.
Denn das ist in der gegenwärtigen ‚Medienkrise’ eine conditio sine qua non dafür, dass unsere Geschäftsmodelle auch in Zukunft ‚aufgehen‘: Insofern bedingen sich unternehmerische und publizistische Kreativität und Leistung gegenseitig. Es wird nicht reichen, sich gegenseitig zu beteuern, dass alles Gold ist, wenn die Rezipienten in Scharen davonlaufen… Dagegen haben unsere Preisträger mit ihren Beiträgen auch einen Fix- und Orientierungspunkt gesetzt.
Herzlichen Dank.“

 

Die Laudatio – der Journalistin und Vorsitzenden der Neuen Deutschen Medienmacher, Sheila Mysorekar – es gilt das gesprochene Wort:

„Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sehr geehrte Jurymitglieder, sehr geehrte Damen und Herren, in einer Zeit, wo sowohl Flucht, Migration und Vielfalt wie auch das Selbstverständnis der Medien vieldiskutierte und umstrittene Themen sind, freue ich mich besonders, dass es so etwas wie den „Ensemble“-­‐Preis gibt.
Im Sinne des Stifters, des verstorbenen Journalisten Bernd Weiland, werden mit diesem
Preis hervorragende Medienbeiträge zum Thema Integration ausgezeichnet. Der zukunftsweisende Aspekt ist bei diesem Projekt sehr wichtig: Es werden junge Journalistinnen und Journalisten geehrt, die mit ihrer Berichterstattung dazu beitragen, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Und dies ist leider notwendig – es bröckelt an Stellen, die wir für bombenfest gehalten haben.
Ich muss zugeben: Bevor ich für diese Laudatio angefragt wurde, hatte ich noch nie von Bernd Weiland gehört. Ich lebe im Rheinland, und viele gute Kollegen aus anderen Gegenden kennt man halt nicht – also musste ich mich erst einlesen, um mehr über ihn zu erfahren. Aber dann kam ich zu dem Schluss: Ich hätte Bernd Weiland gerne kennengelernt. Ich glaube, wir hätten uns prima verstanden. Er war ein Journalist, der Position bezog und für seine Meinung einstand; ein Mensch, der sich für Benachteiligte engagierte. Und dies über seinen Tod hinaus: In seinem Testament stiftete er einen Preis für Nachwuchsjournalisten, die sich um die Themen Integration und „Ausländer in Deutschland“ verdient gemacht haben.
Doch es geht hier nicht nur um Integration: Es handelt es sich um den Zusammenhalt der Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger. Die zunehmende Polarisierung politischer Meinungen ist offensichtlich. Gleichzeitig driftet die Debatte oft ins Irrationale und in die Demagogie ab. Verhandelt werden politische Standpunkte
heutzutage hauptsächlich an den Themen Migration und Zugehörigkeit, aber auch an der
Diskussion über die Medien und ihre Rolle – also genau dort, wo Sie sich mit Ihren Arbeiten befinden. In diesem politischen Kontext brauchen wir Journalisten, die imstande sind, kompetent und sachlich über Vielfalt zu berichten. Wir brauchen Kollegen, die in ihren Beiträgen die Gesellschaft nicht noch weiter in ein „Wir“ und
„Andere“ aufspalten, sondern die das Einwanderungsland Deutschland als ein großes
„Wir“ begreifen, als eine Gemeinschaft, deren Probleme man lösen muss, zu der jedoch
alle gleichermaßen gehören.
Wir stehen vier Wochen vor der nächsten Bundestagswahl. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die rechtsradikale AfD in den Bundestag einziehen wird. Was bedeutet das für die deutsche Gesellschaft, die längst vielfältig und multiethnisch ist? Was bedeutet das für Menschen, die Deutsche sind, jedoch zu ethnischen oder religiösen Minderheiten gehören? Was bedeutet das für den sozialen Frieden in diesem Land? All dies ist noch nicht absehbar.
Eines jedoch ist klar: wir dürfen auf keinen Fall den Rechten die Zielrichtung der Debatte, und schon gar nicht die Deutungshoheit über das Thema Einwanderung überlassen. Dies zu verhindern, ist – unter anderem – Ihre Aufgabe, und das wird auch noch länger so bleiben.
Deswegen ist es umso erfreulicher, dass Sie in Ihren Beiträgen Ihre diesbezügliche
Kompetenz bereits unter Beweis gestellt haben…!

Nun zu den Kolleginnen und Kollegen, die hier heute ausgezeichnet werden, und zu ihren Werken:
Frauke Vogel ist die Gewinnerin in der Kategorie ‚Video’. Als freie Journalistin hat sie eine mehrteilige Videoserie produziert, „roleUp“, mit kurzen Portraits von Frauen aus der Kreativbranche.
Die Protagonistinnen dieser Serie sind vielfältig, aber das ist nicht der Fokus der
Portraits. Diese Frauen arbeiten im kreativen Bereich; sie sind Regisseurin, Rapperin oder Modebloggerin. Manche von ihnen gehören zu Minderheiten; sie sind schwarz, oder dick, oder lesbisch, oder muslimisch, oder kleinwüchsig, aber, wie gesagt – das ist nicht der Fokus.
Und genau darin liegt die Stärke dieser Videoserie: Wir lernen Frauen kennen, die einfach ihr Leben leben und ihren Beruf ausüben, und darin Role Models sind. Die Tatsache, dass sie in bestimmte, negativ belegte Schubladen passen, wird nicht speziell thematisiert. Ihre Normalität steht im Vordergrund – in diesem Fall der Beruf. Diese Portraits verweigern sich der Stereotypisierung.
In den Worten einer Protagonistin, der Illustratorin Tasnim: „Ich möchte, dass bestimmte Bilder verschwinden. Mir reicht’s einfach, wenn ich zum tausendsten Mal
eine Debatte angucken muss über Integration, und immer wieder dieselben Worte fallen
und immer wieder dieselben stigmatisierenden Bilder auftauchen. Diese Bilder sollen mich repräsentieren, aber das tun sie nicht.“
Frauke Vogel schafft andere Bilder. Sie presst ihre Protagonistinnen nicht in eine Schublade; sie zeigt sie nicht lediglich als Repräsentantinnen einer Minderheit. Sie nähert sich den Frauen mit Respekt und Offenheit, visuell unterstützt von einer Bildsprache, die Diversität zulässt, ohne sie als Exotik darzustellen.
Und ja, es sind neue Role Models. Auch aus einem persönlichen Grund bin ich froh, dass
ich nun Frauke Vogels Serie kenne: Eine meiner Nichten ist 13 Jahre alt und kleinwüchsig. Ich habe ihr eines der „roleUp“-­‐Videos geschickt, nämlich das Portrait einer coolen Poetry Slammerin, die zufällig auch kleinwüchsig ist. Vielleicht hilft es ihr, aufzuwachsen, ohne sich auf ihre Größe – oder mangelnde Größe – reduzieren zu lassen. Mein Dank dafür an die Kollegin!

In der Kategorie ‚Audio’ wird Johannes Nichelmann ausgezeichnet, für sein Radiofeature
„Zweimal Vietnam – eine geteilte Community“, das im Deutschlandfunk ausgestrahlt
wurde.
In einer Zeit, wo wiederum geflüchtete „Boat People“ nach Deutschland kommen –
diesmal in Booten über das Mittelmeer –, erinnert dieses Feature an die „Boat People“ aus Vietnam, die übers Chinesische Meer flohen und in den 1970er und 80er Jahren hierhin kamen. „Boat People“, die seit 30 Jahren zur deutschen Gesellschaft gehören – und dann wiederum auch nicht. Mit großer Aufmerksamkeit und einer Vielzahl von Stimmen zeichnet dieses Feature das Portrait einer gespaltenen Community.
Johannes Nichelmann bleibt dicht dran an seinen Protagonistinnen und Protagonisten; er lässt ganz unterschiedliche Menschen zu Wort kommen -­‐ aus Nord-­‐ und Südvietnam, Ärztin oder Verkäufer, bürgerliche Dame oder ehemaliger Vietcong-­‐Kämpfer, erste und zweite Generation; Geflüchtete, Eingewanderte und Neue Deutsche.
Durch diese weite Bandbreite von Protagonisten vermeidet Nichelmann die Stereotypisierung von Vietnamesen in Deutschland. Sein Radiobeitrag bietet eine differenzierte Darstellung verschiedener Ansichten und Positionen – ältere Vietnamesen erzählen von der Flucht aus ihrer Heimat, weiße Deutsche äußern ihre Vorurteile gegen die Einwanderten, ehemalige Vorarbeiter berichten von ihren Erfahrungen mit vietnamesischen Vertragsarbeitern in der DDR, und vietnamesisch-­‐deutsche Berliner sprechen über Rassismus.
Johannes Nichelmann wahrt im besten Sinne die Vorgabe der journalistischen Neutralität. Er scheut sich jedoch nicht vor der Einordnung in einen politischen Kontext: So etwa wird die Bevorzugung und spezielle Unterstützung thematisiert, die die „Boat People“ als antikommunistische Flüchtlinge in Westdeutschland genossen – interessant deswegen, weil Vietnamesen heutzutage als beispielhaft integrierte Ausländer gelten, als Gegenentwurf zu einer angeblich schlecht integrierten türkischen oder arabischen Community.
An dieser Stelle möchte ich Nichelmanns sorgfältige Recherche zu historischen Begebenheiten sowohl in Vietnam als auch in der Bundesrepublik und in der DDR hervorheben; zu oft fällt im Arbeitsalltag eine gute Recherche unter den Tisch, sei es wegen Zeit-­‐ oder Geldproblemen oder mangelnder Unterstützung der Redaktion.

Nun zu der Kategorie ‚Textbeitrag’: Gewinner ist Takis Würger mit „Rückflug“, einer Reportage über die freiwillige Rückkehr eines irakischen Flüchtlings in seine Heimat, erschienen im SPIEGEL. Takis Würger ist kein Unbekannter in der deutschen Presselandschaft; er fällt jedoch tatsächlich in die Kategorie „Nachwuchs“, einfach durch sein Alter, nicht jedoch bezüglich Können und Veröffentlichungen.
Würger nimmt sich einen schwierigen Aspekt der Flucht vor: die Rückführung. Eine Geschichte, die nicht gut ausgeht, ist immer schwer zu beschreiben, und noch schwerer ist es, den Leser dabei zu fesseln – doch genau das gelingt dem Kollegen: Eine gescheiterte Flucht und womöglich in der Folge eine gescheiterte Existenz auf einigen Seiten kondensiert zu erzählen, ist eine Herausforderung. Takis Würger meistert sie mit Bravour.
In der momentanen politischen Lage werden an der Rückführung beziehungsweise
Abschiebung politische Positionen verhandelt. Würger nähert sich diesem heiklen Thema jedoch ohne Scheu, er beobachtet aufmerksam, beschreibt, und zieht den Leser mit sich. Den Protagonisten Ajad Mohammed, einen jungen Iraker, der nach 100 Tagen in Deutschland wieder die Reise nach Hause antritt, kann man nach der Lektüre nicht mehr vergessen.

Auch bei der Kategorie ‚Multimedia’ geht es um Flucht: Ausgezeichnet werden Volontäre der Mittelbayerischen Zeitung. Acht junge Kolleginnen und Kollegen recherchierten im November 2015 über Geflüchtete, in den Grenzstädten Passau und Wegscheid und in
der Erstaufnahmeeinrichtung in Regensburg. Daraus entstand ein Multimedia-­‐Projekt mit dem Titel „Syrien, Wegscheid, Passau – Regensburg“, mit vielen Portraits, Reportagen, Interviews und einer umfangreicher Daten-­‐ und Faktensammlung in der Form von interaktiven Grafiken.
Die hier ausgezeichneten Autorinnen und Autoren sind: Philipp Froschhammer, Mario Geisenhanslüke, Bettina Griesbeck, Johannes Heil, Claudia Pollok, Andrea Rieder, Philipp Seitz und Jana Wolf.
Ich freue mich sehr, dass inmitten des Geschreis um „Lügenpresse“ und
„Flüchtlingschaos“ eine Gruppe von Volontären auf das setzt, was als Medienmacher
unsere Stärke ist und bleiben sollte: Fakten. Die jungen Kolleginnen und Kollegen liefern gute Recherche, unvoreingenommen und ergebnisoffen, sie reden mit allen, die das Thema angeht, -­‐ so etwa sprechen sie mit Geflüchteten, nicht nur über sie -­‐ und sie
setzen der politischen Panikmache nüchterne Tatsachen entgegen. Und die sind bei weitem nicht so dramatisch, wie manche es gerne glauben. In den Worten des Passauer Oberbürgermeisters Jürgen Dupper, der in dieser Reportage zitiert wird: „Ich habe das Gefühl, dass manche Lust haben, das Chaos herbeizureden.“
Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Jeder fünfte Mensch kommt aus einer Familie mit Einwanderungsgeschichte, jedoch nur jeder fünfzigste Journalist. Das heißt, die Vielfältigkeit der Gesellschaft ist noch nicht in den Redaktionen angekommen. Um auf
die aktuellen Herausforderungen und Themen reagieren zu können, brauchen wir jedoch qualifizierten Nachwuchs, das heißt, auch Vielfalt im Journalismus. Dies bezieht sich auf die Personalpolitik, aber auch auf die Arbeit als solche: auf Themenwahl, auf Sprache und Bildsprache – und auch auf die Kompetenz, mit politischen Herausforderungen wie der erstarkten Rechten umzugehen. Alle Journalistinnen und Journalisten, egal welcher Herkunft, können und müssen ihre Leser, Hörer oder Zuschauer kompetent über Migration und Flucht informieren. Das ist Fachwissen, dafür muss man sich fortbilden – und es passt möglicherweise nicht zur Linie des Mediums, in dem man arbeitet.
Es braucht Mut, Position zu beziehen. Rassistische und islamfeindliche Ansichten sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir brauchen Leute, vor allem in den Medien, die sich dem entgegensetzen. Und zwar indem sie ihren Job machen, und ihn richtig gut machen: Recherchieren, berichten, informieren. Bei den Fakten bleiben, auch wenn die gängige Ansicht eine andere ist. Meinungsstark sein, auch wenn der Maileingang mit Hasskommentaren überquillt. Die Tatsachen benennen, auch wenn der Redaktionsleiter etwas anderes möchte. Sich mit den eigenen Vorurteilen konfrontieren, auch wenn es weh tut.
Position beziehen heißt nicht, die journalistische Neutralität aufgeben. Es heißt, sich gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit zu stellen, und jene Leute trotzdem zu Wort kommen zu lassen – aber sie nach allen Regeln der Kunst mit Wissen und Fakten zu schlagen. In einer Zeit, wo Demagogie selbst an höchster Stelle zu finden ist – im Weißen Haus – dürfen wir uns nicht davon mitreißen lassen. Wenn sich alle einig sind, dass Deutschland keinesfalls noch mehr Flüchtlinge „verkraften“ kann, dann ist es an Ihnen, sich in der Welt umzuschauen und den Vergleich zu ziehen mit sehr viel ärmeren Ländern wie Uganda, die sehr viel mehr Geflüchtete aufnehmen und dennoch die Grenzen offen lassen. Es braucht Mut, unpopuläre Ansichten zu vertreten. Und der Gegenwind wird heftiger. Wir brauchen Sie, Ihre Arbeit, und Ihr Engagement. Vielen Dank.“

Sheila Mysorekar ist Vorsitzende des Neue Deutsche Medienmacher e. V., einer Organisation von Journalisten/-innen und Medienmacher/-innen mit Migrationsgeschichte. Sie ist Indodeutsche und lebt in Düsseldorf. Ihr Studium absolvierte sie in Köln und London und arbeitete als Journalistin (Politik/Wirtschaft), u.a. in Jamaika, Indien, den USA und vielen Ländern Lateinamerikas, darunter elf Jahre als freie Korrespondentin für die ARD in Argentinien. Sie arbeitet als Beraterin für konfliktsensitiven Journalismus und Medien in Post-Konflikt-Staaten, unter anderem in Libyen und dem Südsudan.

Dankesreden – der Preisträgerinnen und Preisträger 2017 im Interview mit der Moderatorin der Preisverleihung, Dr. Ilka Desgranges – es gilt das gesprochene Wort:
Takis Würger: „Ich möchte ein paar Worte an Frau Noll und die Freunde von Herrn Weiland richten: Wir coolen Journalisten sagen oft, wir arbeiten nicht für Preise – was auch richtig ist. Aber unsere Arbeit ist auch hart und ich wünsche jedem, mal eine solche Würdigung zu erfahren. (…) Der Preis hat genau das bei mir ausgelöst, was er wohl auslösen sollte: dass ich mich inspiriert fühle, ehrliche und saubere journalistische Arbeit abzuliefern. Dafür möchte ich ihnen danken.“

Das Statement – des Intendanten des Saarländischen Rundfunks, Herrn Prof. Thomas Kleist:
„Nie war er so wertvoll wie heute, der Qualitätsjournalismus in Rundfunk und Presse. Dem Saarländischen Rundfunk ist es daher sehr wichtig, diesen Nachwuchspreis zu unterstützen. In Zeiten von Fake News und den neuen Möglichkeiten auf Social Media Kanälen sind die Ausbildung und die Arbeit unserer Journalistinnen und Journalisten mehr denn je in den Fokus gerückt. Auch beim Thema Integration, der großen Herausforderung unserer Gesellschaft, brauchen wir Kolleginnen und Kollegen, die mit Mut, Ausdauer, guter Recherche und vor allem mit Glaubwürdigkeit überzeugen, ganz im Sinne der „Ensemble“-Preis Auszeichnung.“


Der Ausblick
– gegeben von der SJV-Vorsitzenden Ulli Wagner – es gilt das gesprochene Wort:
„Ich bin sehr froh, dass wir diesen Nachwuchs-Preis für herausragende Beiträge zum Thema Migration und heute Integration heute endlich zum zweiten Mal vergeben konnten – denn dieser ENSEMBLE-Preis ist heute wichtiger denn je.
Und es hat schon manche erstaunt, mit welcher Voraussicht unser Freund und Kollege Bernd Weiland an dieses Thema rangegangen ist. Offenlegen, nachfragen, hinterfragen und gleichzeitig den Blick öffnen für Gemeinsamkeiten und Zukunftsperspektiven einer pluralistischen und diversen Gesellschaft. Das wollte er, das hat er schon zu Lebzeiten erzählten und dafür wollte er einen Großteil seines Nachlasses einsetzen – und damit junge Journalistinnen und Journalisten anspornen, genau das zu tun.
Bei aller Vorausschau konnte Bernd aber nicht ahnen, dass die Sparzinsen soweit runter gehen, dass man fast noch draufzahlen muss, wenn man eine größere Menge langfristig anlegt. Und es kam sogar so dicke, dass wir nach der ersten Preisverleihung 2013 befürchten mussten, dass wir erst im nächsten Jahrzehnt so viel Geld zusammen hätten, um erneut ausschreiben zu können. Und das wäre ganz bestimmt nicht im Sinne von Bernd gewesen.
Aber dann ist es uns allen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelungen, üb er eine Satzungsänderung der Bernhard-Weiland-Stiftung einen anderen Finanzierungsweg zu finden und dafür möchte ich mich heute hier ganz ausdrücklich noch mal bei der Stiftung, bei der Saarbrücker Zeitung und beim Saarländischen Rundfunk bedanken!
Fortan werden wir diesen ENSEMBLE-Preis alle zwei Jahre ausloben und verleihen können. Die nächste Runde startet schon bald, nämlich am 01. September und sie umfasst dann alle Beiträge, die vom 01.01.2017 bis zum 31.08.2018 erschienen sind oder noch erscheinen werden. Volontäre, Redaktionsleiterinnen oder Chefredakteure haben also noch die Chance, ganz gezielt ein Projekt in Auftrag anzugehen oder gar in Auftrag zu geben. Wir sind gespannt und freuen uns auf die neue Runde.
Diese Bewerbungen kommen bei einer leicht veränderten Jury auf den Prüfstand: nachdem das Projekt nun aus den Kinderschuhen raus ist, verlässt uns Dörte Grabbert berufsbedingt und ich möchte die Chance nutzen, Dir, Dörte, ganz herzlich zu danken – für alles, was Du für dieses Projekt getan hast! Und Dir alles Gute wünschen.
Und ich möchte die Neue im Bunde begrüßen, Fatima Abbas, wie Dörte Grabbert einst Redakteurin bei der Saarbrücker Zeitung. Herzlich willkommen und auf gute Zusammenarbeit.
Die Preisträgerinnen und Preisträger, die diese neue Jury aussucht, die lernen Sie dann bei der nächsten  Preisverleihung  kennen. Die findet turnusgemäß auf dem Halberg statt und – wenn der Intendant damit einverstanden ist, auch gerne  schon im Frühjahr 2019.  Vielen Dank  und alles Gute. ;-)“